Glockenweihe 1954

Am 19. September 1954 fand auf dem damaligen Steinfelder Gemeindeplatz die Weihe der vier neuen Glocken statt, durchgeführt durch Domkapitular Karl Eisner, dem ehemaligen Steinfelder Pfarrer und Vorgänger von Pfarrer Peter Braun. Viele ältere Gemeindemitglieder erinnern sich   noch gut  und gern an jenes große und „glänzende Fest“, an dem nahezu die ganze Bevölkerung von Steinfeld und Niederotterbach teilnahm.


Glockenweihe durch Domkapitular Eisner

Schon am Vorabend begann die festliche Zeremonie. So ist im Steinfelder Jubiläumsbuch zur 750-Jahrfeier (S. 373) zu lesen: „Die Einholung der Glocken in der Abenddämmerung des 18. September 1954 war triumphal und herzbewegend. Im Klang der Steinfelder Musikkapelle erreichte der feierliche Fackelzug nach der Begrüßung unserer beiden Bürgermeister an der jeweiligen Gemarkungsgrenze die Niedergasse. Durch Steinfeld wurden die neuen Glocken mit dem Läuten der gleichschweren und gleichklingenden ‚Schwestern’ von St. Bernhard/Speyer über Tonband begrüßt und geleitet. Auf dem Gemeindeplatz wurde ihnen eine ehrenvolle Begrüßungsfeier zuteil.“
Die folgende Übersicht informiert über die Daten der neuen Glocken. Wenn Sie lesen wollen, wie die einzelnen Glocken sich ausführlicher selbst vorstellen und von ihrer je eigenen Aufgabe erzählen, dann klicken Sie auf den Link des Glockennamens.

Leodegar-Glocke
515 kg
Schlagton as'

Marien-Glocke
880 kg
Schlagton f'

Christkönigs-Glocke
1000 kg
Schlagton es'

Dreifaltigkeits-Glocke
1660 kg
Schlagton e'
Inschrift:
Heiliger Leodegar,
unser Kirchenpatron,
heilige Sebastian, Wendelin
und Barbara: Beschützet Glauben und Heimat.
Inschrift:
Du Königin,
in den Himmel aufgenommen:
Bitte für uns!
Inschrift:
Christus siegt,
Christus regiert,
Christus herrscht,
Christus verteidigt sein Volk vor allem Übel.
Inschrift:
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist.
 „Der Krieg die Schwestern hat genommen, doch bald sind wir für sie gekommen; der Pfarrgemeinde frommer Sinn gab für uns große Opfer hin. Drum Gott und sie wir wollen preisen mit unseren mächtigeren Weisen.“

Am Sonntagmorgen wurde dann die Weihe der Glocken während eines feierlichen Gottesdienstes vollzogen. Damals galt noch der alte Weiheritus, wie er Jahrhunderte lang praktiziert wurde. Jede Glocke empfing eine dreifache Salbung: Die beiden ersten Salbungen mit Krankenöl in Gestalt von sieben Kreuzen auf den äußeren Glockenmantel, die dritte Salbung mit Chrisam in Gestalt von vier Kreuzen auf die innere Glockenwand. Diese  Salbungen hatten eine tiefsinnige Bedeutung: Die Salbung mit Krankenöl war verbunden mit Gebeten in den vielfältigen Anliegen der Not und Gefahr, der Freude und der Trauer, während die Salbung mit Chrisam symbolisch verknüpft wurde mit der göttlichen Antwort der Gnade und Hilfe. Es war eine Art „Taufe“, denn jede geweihte Glocke erhielt dann auch ihren Namen. Danach wurden die Glocken ihrer Bestimmung übergeben, indem jede einzelne von allen an der Zeremonie Beteiligten mit einem Hammer angeschlagen wurde.


Pfarrer Braun beim Glockenanschlag

Der heute gültige, nachkonziliare Glockenweihe-Ritus ist stark vereinfacht und kennt nur noch eine Salbung mit Chrisam, fügt allerdings noch die Besprengung mit Weihwasser und die Beräucherung mit Weihrauch hinzu.

Welchen Sinn Kirchenglocken auf christlichen Gotteshäusern ab ca. 500 n. Chr. erfüllen sollen, sagen alte Glockensprüche., wie der folgende:

Deum verum laudo,
plebem voco,
clerum congrego,
pestem fugo,
fulgura frango,
festa decoro,
vives voco,
mortuos plango.

Den wahren Gott lob ich,
das Volk ruf ich,
den Klerus versammle ich,
die Pest vertreib ich,
die Blitze brech ich,
die Feste zier ich,
die Lebenden ruf ich,
die Toten beklag ich.

Mit einfachen Worten sagt es auch  das Weihegebet nach dem erneuerten Ritus der Glockenweihe.

Viele Fotos existieren heute noch von der Steinfelder Glockenweihe und belegen eindrucksvoll jenen Tag, von dem viele alte Steinfelder Gemeindemitglieder als „Großereignis“ sprechen.

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Glockenweihe-Jubiläum 2004

Am Sonntag, dem 19. Sept. 2004, feierte die Pfarrgemeinde St. Leodegar in Steinfeld 50jähriges Weihejubiläum der Kirchenglocken.

Einige Tage zuvor statteten einige Mitglieder des Pfarrgemeinderates bei einem kleinen Ortstermin in der Glockenstube des Kirchturms unter kundiger Führung von Obermessdiener Martin Schmitt den Glocken einen  Besuch ab, um sie in ihrem heutigen Zustand zu besichtigen, ihre Namen und Inschriften zu entziffern, sowie ihre Unterschiede an Größe, Gewicht und Schlagton aus der Nähe zu bestaunen.  Die Ergebnisse dieser Glocken-Erkundung  sollten im Festgottesdienst in besonderer Weise zur Sprache gekommen:


Martin Schmitt neben der
Dreifaltigkeitsglocke

Annika Kröner u. Martin Schmitt
unter der Leodegarglocke

Im festlich gestalteten Gottesdienst ließen Mitglieder des PGR die Glocken selbst sprechen. Jede Glocke stellte sich vor (siehe Glockentexte) mit Namen, Gewichtsangabe und Inschrift und rief den Gottesdienstbesuchern in Erinnerung, welche besondere Bestimmung sie zu erfüllen habe, sei es die Markierung der Zeit im Stundenschlag, der Ruf zum Angelusgebet oder gar die traurige Kunde vom Tod eines Gemeindemitgliedes durch das Läuten der Totenglocke. Schließlich beendete jede Glocke ihre Selbstdarstellung mit dem wörtlichen Zitat ihrer Inschrift.

Jede Glocke wurde nach ihrer Vorstellung kurz geläutet, präzise eingeschaltet von Herrn Niedermayr, unserm Kirchendiener.

In seiner Festpredigt beschrieb Pfarrer Metzinger die Kirchenglocken heute als manchmal provozierend unbequeme, aber immer notwendige Mahner. Sie rufen uns aus dem Alltag heraus zum Innehalten, zur Ruhe und zur Besinnung auf das Wesentliche im Leben.

Dem Anlass entsprechend gestaltete Fürbitten, verbunden mit der Erneuerung des einstigen Glocken-Weihegebetes mit anschließendem Glaubensbekenntnis, begleitet vom Klang aller Glocken, waren ein weiterer Höhepunkt dieses Gottesdienstes, der vom Kirchenchor mit ausgesuchten Beiträgen festlich gestaltet wurde.

Fürbitten

Gott unser Vater und unsere Mutter, Als dein Volk sind wir auch heute dem Ruf unserer Kirchenglocken gefolgt und haben uns vor deinem Angesicht versammelt. Voll Vertrauen dürfen wir dich bitten:

  • Erinnere die Menschen durch den Klang der Kirchenglocken immer wieder daran, dass sie von dir ins Dasein gerufen sind.
  • Ermutige die Schwachen und Kranken mit jedem Glockenschlag, auf Deine Nähe und Hilfe zu vertrauen.
  • Erinnere die politisch Verantwortlichen mit jedem Glockenläuten daran, dass sie ihre Macht über die Menschen vor dir verantworten müssen.
  • Lass die Menschen beim Ertönen der Totenglocke darauf vertrauen, dass sie auch im Sterben von dir gehalten sind.

Darum beten wir gemeinsam zu dir: (Gebet zur Glockenweihe)

Herr des Himmels und der Erde, dich preist deine Schöpfung.
Im Himmel und auf der Erde erschallt dein Lob.
Voll Vertrauen bitten wir dich:
Segne unsere Glocken, die dein Lob künden.
Sie sollen deine Gemeinde zum Gottesdienst rufen,
die Säumigen mahnen, die  Mutlosen aufrichten,
die Trauernden trösten, die Glücklichen erfreuen
und die Verstorbenen auf ihrem letzten Weg begleiten.
Segne alle, zu denen der Ruf dieser Glocken dringen wird,
und führe so deine Kirche von  überallher zusammen in dein Reich. Das gewähre uns durch Christus, unseren Herrn. Amen

Es war ein Festtag der Gemeinde aus besonderem Anlass, der durch eine Fotoausstellung mit Bildern von der einstigen Glockenweihe im Jahre 1954 sowie mit einem vom PGR organisierten „Stehkaffee“ nach dem Gottesdienst angemessen abgerundet wurde. Dabei nutzten viele die Gelegenheit, in froher Gemeinschaft Erinnerungen wachzurufen und auszutauschen, wobei besonders die älteren Gemeindemitglieder als Augenzeugen des damaligen Ereignisses wichtige Gesprächspartner waren.
Jeder Gottesdienstbesucher war eingeladen, vom PGR gebastelte Glockennachbildungen als Andenken an diesen Jubiläumstag mit nach Hause zu nehmen.

(U.u.H. Binder)

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Unsere Glocken stellen sich vor

Die Leodegar-Glocke

Ich bin die Leodegar-Glocke und wurde einst auf den Namen unseres Kir­chenpatrons getauft. Meine Inschrift ent­hält aber noch die Namen des hl. Sebastian, des hl. Wendelin und der hl. Barbara, denn auch sie sind unsere Kirchenpatrone.

Mit meinen 515 kg Gewicht bin ich die kleinste Glocke und habe folglich den höchsten Schlagton. Wenn ich zusammen mit meinen drei großen Schwestern die Menschen zum Gottesdienst rufe, erklingt meine hohe Sopranstimme immer als erste, weil ich ziemlich schnell in Schwingung komme.

Zusammen mit meiner größeren Schwester, der Marienglocke, beteilige ich mich jeden Abend auch   beim Angelus-Läuten, aber erst am Schluss, wenn die Menschen   das Angelus-Gebet mit dem Gebet des Herrn beschließen. Deshalb heiße ich im Volksmund auch Vaterunser-Glocke.

Ganz selten erfülle ich noch eine sehr traurige Aufgabe: Wenn ein kleines Kind stirbt, begleite ich seine junge Seele mit meiner hellen Stimme auf dem Weg zum Himmel.

Am liebsten rufe ich aber mit euch allen zu unseren Kirchenpatronen, wie es auf meiner Inschrift lautet:

 „Beschützet Glauben und Heimat!“

 

Die Marien-Glocke

Ich bin die Marienglocke und wurde der Gottesmutter als Königin des Himmels geweiht.

Ich wiege 880 kg und brauche mit diesem Gewicht schon etwas länger als meine kleine Schwester, um in Schwingung zu kommen. Darum hört man mich beim gemeinsamen Läuten immer erst als zweite. Mein Schlagton ist mit der Altstimme im Kirchenchor zu vergleichen.

Als einzelne Glocke bin ich zu hören, wenn ich tagaus tagein jede Viertelstunde mit einem kurzen Glockenschlag markiere. Außerdem lade ich die Menschen dreimal am Tag dazu ein, den „Engel des Herrn“ zu beten und so mit Maria ihr Tagwerk Gott zu weihen.

Und wenn größere Kinder von Gott in die Ewigkeit abberufen werden, begleite ich sie mit meiner jugendlichen Stimme auf dem Weg zum Himmel. Gott sei Dank ist das aber nur sehr selten der Fall.

Übrigens hatte es einen besonderen Grund, warum ich der Gottesmutter geweiht wurde. Meine Auftraggeber wollten daran erinnern, dass vier Jahre vor meinem Entstehen, nämlich im Jahre 1950, Papst Pius XII. feierlich verkündigte, dass Maria in Gottes himmlische Herrlichkeit aufgenommen wurde. Deshalb lautet meine Inschrift:

 „Du Königin, in den Himmel aufgenommen, bitte für uns!“

 

Die Christkönigs-Glocke

Ich bin die Christkönigs-Glocke und bekam bei meiner Weihe die hohe Ehre, den Namen unseres Herrn Jesus Christus tragen zu dürfen, der als König des Himmels zur Rechten Gottes sitzt.

Ich bin mit meinen stattlichen 1000 kg die zweitgrößte Glocke und ertöne als dritte beim gemeinsamen Läuten.

Wenn ich allein zu hören bin, markiere ich wie meine jüngere Schwester ebenfalls mit einem kurzen Glockenschlag die Viertelstunden der dahineilenden Zeit.

Meine ehrenvollste Aufgabe besteht jedoch darin, dass ich den Menschen bei jeder Eucharistiefeier während der Wandlungsworte die Gegenwart Christi verkünden darf.

Mit meiner männlich kräftigen Tenorstimme rufe ich dann gemäß meiner Inschrift in die Welt hinaus:

„Christus siegt,
Christus regiert,
Christus herrscht.
Christus verteidigt sein Volk vor allem Übel!“

 

Die Dreifaltigkeitsglocke-Glocke

Ich bin die Dreifaltigkeits-Glocke und ehre mit meinem Namen die Fülle des dreieinen Gottes im Vater, im Sohn und im Heiligen Geist, wie in meiner Inschrift zu lesen ist.

Mit meinen 1660 kg bin ich mit Abstand die größte und schwerste unserer vier Glocken. Meine tiefe Bassstimme gibt unserem gemeinsamen Geläute erst den vollen Klang, wobei ich immer als letzte in den gemeinsamen Chor einstimme.

Wenn ich allein zu hören bin, markiert mein Glockenschlag bei Tag und Nacht die vollen Stunden und erinnert die Menschen daran, wie schnell die Zeit des Lebens verrinnt.

Besonders nachdenklich stimmt es die Menschen, wenn ich ihnen mit meiner tiefen Stimme den Tod eines erwachsenen Gemeindemitgliedes verkünden muss. Darum nennt mich der Volksmund auch Totenglocke.

Erfreulich finde ich es aber, dass ich unter allen vier Glocken dazu auserwählt wurde, in einer zusätzlichen Inschrift anzugeben, warum wir alle vor 50 Jahren entstanden sind. In gereimten Worten kann man auf meinem Glockenrand nämlich lesen:

 „Der Krieg die Schwestern hat genommen,
doch bald sind wir für sie gekommen;
der Pfarrgemeinde frommer Sinn
gab für uns große Opfer hin.
Drum Gott und sie wir wollen preisen
mit unseren mächtigeren Weisen.“

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