Bericht: Heinz Binder
Er war in den letzten Jahren in Vergessenheit geraten und wurde nicht mehr gefeiert: der Steinfelder Gelöbnistag am 8. Dezember. Viele Steinfelder wussten nichts mehr davon, vor allem die Jüngeren. Und fragte man die Älteren, so bekam man nur sehr ungenaue Auskünfte.
Aus dem Pfarrgemeinderat kam die Anregung, die Tradition dieses Gelöbnistages wieder zu beleben. Aber wer wusste überhaupt, auf welches Ereignis dieses Gelöbnis zurückgeht? Und was wurde einst feierlich gelobt?
Als zugereister Steinfelder hatte ich zunächst keine Ahnung. Also machte ich mich auf die Suche. Das Befragen von älteren Leuten war wenig ergiebig. Auch im Pfarramt fanden sich keine schriftlichen Unterlagen mehr darüber.
Erst im Speyrer Bistumsarchiv wurde ich fündig. Der dortige Amtsleiter fand das Steinfelder Pfarrgedenkbuch und stieß auf einen Eintrag aus dem Jahre 1943. In vorbildlicher Handschrift berichtet darin der damalige Pfarrer Eisner, dass Papst Pius XII. das Jahr 1943 zum marianischen Jahr ausgerufen hatte. Daraufhin ordnete der damalige Bischof von Speyer, Dr. Ludwig Sebastian, die Weihe der Diözese und ihrer Pfarreien an die Gottesmutter an (was übrigens seine letzte Amtshandlung war, denn er starb am 20. Mai 1943 an einer Lungenentzündung). In allen Kirchen des Bistums sollten entsprechende Weihegottesdienste gefeiert werden.

Eintrag von Pfarrer Eisner im "Steinfelder Pfarrgedenkbuch" 1943
zur Ausrufung des marianischen Jahres in der Diözese Speyer
Dieser Anordnung kam Pfarrer Eisner nach und nahm die Weihe der Pfarrei Steinfeld an Maria am 30 Mai 1943 in einer Feierstunde bei übervoller Kirche vor. In seinem Bericht heißt es:
"Große Freude und Begeisterung erfüllte alle, die an der Feierstunde teilnahmen."
Im weiteren Verlauf des Jahres 1943 wurde wohl auf Initiative von Pfarrer Eisner die Idee eines marianischen Gelöbnisses durch die Pfarrgemeinde geboren. Man wollte sich und die Gemeinde in Anbetracht der schweren Kriegszeit unter den besonderen Schutz der Gottesmutter stellen.
Wörtlich schrieb Pfarrer Eisner:
Um in schwerer, ernster Zeit des besonderen Schutzes der Gottesmutter teilhaftig zu werden, reifte der Plan, der Mutter des Herrn ein besonderes Gelöbnis zum dauernden Gedenken an dieses marianische Gnadenjahr zu machen. Am Sonntag, den 12. Dezember 1943 versammelte sich wiederum die ganze Gemeinde zu einer Feierstunde am Abend in der Kirche, um der Mutter Gottes die Feier des Immaculata-Festes (Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens, 8. Dez.) als Ortsfeiertag zu geloben.
Und so sieht Pfarrer Eisner Eintrag im Pfarrgedenkbuch 1943 aus:

Pfarrer Eisners Eintrag im Pfarrgedenkbuch zum Beschluss des Gelöbnisses
im feierlichen Gottesdienst am 12. Dez. 1943
Es folgt dann der genaue Ablauf der Feierstunde mit allen Gebeten und Liedern aus dem damaligen Speyrer Diözesangesangbuch, mit Seitenzahl und Strophenauswahl mit der Bemerkung, dass die Feierstunde ...
"...einen ganz tiefen Eindruck bei allen Teilnehmern hinterließ."
Auch den wörtlichen Text des Gelöbnisgebetes hat Pfarrer Eisner aufgeschrieben. In seiner Handschrift sieht er so aus:
Eintrag von Pfarrer Eisner im Pfarrgedenkbuch: Das Gelöbnisgebet von 1943
Maria, Dreimal Wunderbare Königin und Mutter! Wir haben uns in schwerer Zeit unter Deinen Schutz gestellt und unsere Pfarrfamilie Deinem Mütterlichen Herzen geweiht. Du bist uns Königin und Mutter, Schutzfrau und Vorbild geworden. Unser Vertrauen wurde reich belohnt, unsere Liebe zu Dir nicht enttäuscht. Wir danken dir heute für all Deine Güte und Barmherzigkeit! Wir zweifeln nicht, dass Du auch fernerhin Deinen Schutzmantel über uns und unsere Lieben ausbreiten wirst. Du wirst auch in Zukunft Deine Liebe und Hilfe denen nicht versagen, die Dich ehren, lieben und nachahmen.
So geloben wir denn heute feierlich in dankbarem Vertrauen: So bald es möglich ist, wollen wir alljährlich das Fest Deiner Unbefleckten Empfängnis in unserer Pfarrgemeinde feiern. Nimm dieses unser Versprechen huldvoll an! Schreibe Deinen heiligen Namen so tief und unauslöschlich in unser Herz, dass wir Dich allzeit lieben, und in der Kraft dieser Liebe immer mehr zu echten Gotteskindern und Jüngern Deines Sohnes heranreifen. Schütze und rette uns, bitte für uns und erziehe uns!
Im Anschluss an dieses feierliche Gelöbnis sprach die Gemeinde aus dem damaligen Diözesan-Gesangbuch gemeinsam das Gebet: O heilige Maria, eile zu Hilfe den Bedrängten ... Pfarrer Eisner schließt den Bericht mit den Worten:

Schon dieses Jahr war die heilige Messe in der Frühe des 8. Dez. von zahlreichen Gläubigen besucht; 200 gingen zur hl. Kommunion. Wir haben das felsenfeste Vertrauen, dass wir in den schweren Zeiten dieses Krieges in besonderer Weise den Schutz und die Fürbitte Mariens verspüren werden, nachdem wir uns der Gottesmutter geweiht und ihr die Feier des Immaculata-Tages gelobt haben .
Von älteren Steinfelder Leuten war immer wieder zu hören, dass das Gelöbnis einen direkten Zusammenhang mit den Steinfelder Evakuierungen hätte. Dies lässt der Bericht von Pfarrer Eisner nicht erkennen. Er verbindet das Gelöbnis nur mit der Ausrufung des Marianischen Jahres 1943 durch Papst Pius XII.
Man darf aber vermuten, dass viele Steinfelder das Gelöbnis von sich aus mit der 1. Evakuierung von 1939 in Verbindung brachten. Denn die letzten evakuierten Steinfelder Bürgerinnen und Bürger kehrten im Gelöbnisjahr 1943 zurück. Laut Steinfelder Ortschronik waren es Anfang 1943 noch 93 Personen. Deshalb ist es nachvollziehbar, dass die gläubigen Steinfelder nach Abschluss der Rückkehr aus der Fremde das marianische Gelöbnis subjektiv auch als Dank an die Gottesmutter für ihre Hilfe und als Bitte um ihren weiteren Schutz verstanden.
Im Rorateamt der zweiten Adventswoche, am Dienstag, dem 7. Dez. 2004, Vorabend des Festes der Unbefleckten Empfängnis Mariens, wurde das Gedenken an dieses Gelöbnis wieder aufgenommen. Obwohl es ein Werktagsgottesdienst war, nahmen ungewöhnlich viele Steinfelder daran teil. Innerhalb der Fürbitten wurde das (vom Autor dieses Berichtes überarbeitete) Gelöbnisgebet von allen gemeinsam gesprochen. Es lautet:
Steinfelder GelöbnisgebetMaria, Königin des Himmels und Mutter der Menschen: Unsere Gemeinde hat sich in schwerer Zeit unter deinen Schutz gestellt und sich deinem mütterlichen Herzen geweiht. Unser Vertrauen wurde reich belohnt, unsere Liebe zu dir nicht enttäuscht. Wir danken dir heute für all deine Güte und Barmherzigkeit. Wir zweifeln nicht, dass du auch fernerhin Deinen Schutzmantel über uns und unsere Lieben ausbreiten wirst. Du wirst auch in Zukunft Deine Liebe und Hilfe denen nicht versagen, die dich ehren, lieben und nachahmen. So erneuern wir heute in dankbarem Vertrauen das Gelöbnis unserer Vorfahren und weihen dir erneut zum Fest deiner gottbegnadeten Empfängnis unsere Pfarrgemeinde. Nimm dieses Versprechen huldvoll an und schreibe deinen Namen so tief und unauslöschlich in unsere Herzen, dass wir dich allzeit lieben und in der Kraft dieser Liebe immer mehr zu echten Gotteskindern heranreifen. Im Glauben an deinen Sohn, unseren Herrn Jesus Christus, bitten wir um deine mütterliche Fürsprache: Gott möge unsere Gemeinde schützen und retten. Bitte für uns, heilige Gottesmutter Maria. Amen
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