Verfasser: Dr. Helmut Streicher, 8/2001
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Nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten wurde auch das kirchliche Leben in Kapsweyer zunehmend erschwert. Dies bekamen vor allem die Pfarrer Bienfang und Pfanger zu spüren, es betraf aber auch die katholischen Vereine und die katholische Volksschule. Kapsweyer lag vor den befestigten Linien des Westwalls (auch Siegfriedlinie genannt). So erfolgte am 1.9.1939 nach Ausbruch des II. Weltkrieges die Evakuierung ins katholische Oberfranken.
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Beim Besuch in Kapsweyer am 16.9. mußte Pfarrer Pfanger feststellen, daß der Kirchturm zur Sprengung vorbereitet war und die Glocken abmontiert wurden. Während der Kirchturm in Schweighofen als mögliche Zielfindungshilfe für die Franzosen gesprengt wurde, blieb der Kapsweyerer Turm verschont. Nach Beendigung des Frankreich-Feldzugs verzögerte sich die Rückkehr. Der "Wiederaufbau" riss kleinere Gehöfte ab um "angemessene größere Hofstellen" zu errichten, wozu es jedoch nie kam. Die Möbel der abgerissenen Häuser wurden in der Kirche gestapelt. Einige Familien sollten auch nach Lothringen umgesiedelt werden. Im Oktober 1940 durfte man dann endlich zurück. Doch die Kriegswirren setzten sich fort. Viele Männer waren an der Front, und auch die Heimat geriet zunehmend in Bedrängnis. Am 14.12.1944 mußte schließlich die zweite Räumung, diesmal ins südpfälzische Hinterland, abgeschlossen sein. Die Amerikaner besetzten am 30.12. erstmals Kapsweyer für zwei Tage und benutzten den Kirchturm als Aussichtspunkt. Deshalb geriet er unter deutschen Beschuß, wurde aber wie in der Folgezeit nur leicht beschädigt. Als die Amerikaner Kapsweyer endgültig besetzten, brannte das Dorf an einem Dienstag in der Karwoche 1945 fast völlig ab; hierbei ging auch die Kirche in Flammen auf.
Als Pfarrer Pfanger am Osterdienstag von den Amerikanern die Erlaubnis erhält, den Ort zu besuchen, zusammen mit dem Steinfelder Pfarrer Eisner, brennen Kirche und Pfarrhaus noch. "Über 70% des Dorfes sind zerstört" und die 15 "zurückgebliebenen Leute haben furchtbare Stunden erlebt und zum Teil bitteren Hunger gelitten", schreibt Pfarrer Pfanger im Pfarrgedenkbuch.
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Bereits am Donnerstag nach Ostern dem 5. April besucht Bischof Dr. Josef Wendel die Grenzdörfer und glaubt nicht, dass hier viele Leute wohnen können. Doch trotz des Trümmerfeldes kehren die Leute wieder in das Dorf zurück. Am Sonntag den 8. April findet im Schwesternhaus schon wieder Gottesdienst für die Leute aus Schweighofen, Kapsweyer und Steinfeld statt. Doch schon taucht ein neues Gespenst auf. eine "fünf Kilometer freie Zone". Die katholischen Grenzpfarrer versuchen mit dem französischen Kommandanten zu verhandeln, da die Räumung unmittelbar bevorsteht, und können am 4. Mai vorsprechen, doch wünschen die Amerikaner die Zone, sodaß lediglich Zeit zur Räumung bleibt. Am Montag 7. Mai abends muß das Dorf geräumt sein. Morgens findet in aller Frühe eine letzte heilige Messe statt. "In Speyer gab mir unser Bischof den Rat mich auf eine andere Pfarrei zu melden, da die Räumung längere Zeit dauern würde. Diesen Rat befolgte ich auch", schrieb Pfarrer Pfanger ins Pfarrgedenkbuch.
Nachdem im Juni Einigen die Bestellung von Feldern und Gärten erlaubt wurde, fand am 8. Juli wieder ein Gottesdienst in Kapsweyer statt, zugleich als Feier des Kirchenpatronsfestes. Am 22. Juli wurde Pfarrer Pfanger auf 1. August zum Pfarrer von Eschbach ernannt. "Die Absicht unseres Bischofs, Kapsweyer nicht zu besetzen und vorläufig aufzugeben als Pfarrei, rief eine große Erregung hervor. "Zweimal bemühte ich mich den H.H.Bischof zu bewegen, Kapsweyer wieder zu besetzen." So schrieb Pfarrer Pfanger u.a. am 3. August einen eindringlichen Brief an den Bischof und erreichte, zumindest bis 3. September bleiben zu dürfen. Schließlich wurde am 24. September 1945 dem Pfarrverweser von Rheinzabern Karl Otto Günther die Verwesung von Kapsweyer übertragen. Auf die Ernennung zum Pfarrer musste er bis zum 22. Januar 1948 warten. Er notiert in der Folgezeit:
| 19. Febr. 1946 | Mit den Schulkindern Blei in der Kirchenruine gesammelt, im Speicher der Sakristei untergebracht. |
| 13. März 1946 | Mit der Wegräumung des Schuttes aus der ausgebrannten Kirche begonnen. |
| 14. März 1946 | Fortsetzung. Jung und alt helfen tatkräftig zusammen, besonders die Frauen und Mädchen. |
| 15. März 1946 | Die Wegräumung im großen und ganzen abgeschlossen . |
| 18. Sept. 1946 | Die Notkirche im Schwesternhaus bekommt einen neuen Innenanstrich. |
| 9. Dez. 1946 | Neuer Anstrich für das Pfarrjugendheim/Sakristei bei der ausgebrannten Kirche |
| 16. April 1947 | Architekt Mittel, Landau und ein Helfer vermessen die ausgebrannte Pfarrkirche und die Behelfskirche, die erweitert werden soll. |
| 26. Nov. 1947 | Erweiterung der Notkirche durch Einbeziehung der angrenzenden Scheune, nachdem Pfarrer Günther mit viel Mühe und Überredungskunst die notwendigen Materialien zusammenbekommen hat. . |
| 23. Dez. 1947 | Erster Gottesdienst in der erweiterten Notkirche |
| 10. Mai 1948 | Die stark ramponierte kleine Glocke kommt nach Frankenthal zu Hamm zum Umgießen. |
| Herbst 1948 | Bauantrag für Dach über dem Kirchenschiff |
| 21. April 1949 | Baugenehmigung durch das Kreisbauamt Bergzabern |
| 16. Mai 1949 | Baugerüst wird erstellt. |
| 23. Aug. 1949 | Richtfest |
| 23. Okt. 1949 | Segnung der umgegossenen Ave Maria-Glocke im Hofe des Schwesternhauses |
| 10. Nov. 1949 | Fertigstellung des Turmes - der vergoldete Hahn wird auf die Kreuzspitze gesteckt. |
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| Allerheiligen 1950 | Erster Gottesdienst in der wiederhergestellten Kirche |
| August 1951 | Bauvollendungsanzeige an das Kreisbauamt :Gesamtkosten 107.081,68 DM, davon Darlehen 62.000, Zuschüsse 31.750 und Spenden 13.331,68 |
| 12.Sept. 1951 | Feierliche Konsekration des Hauptaltars durch Bischof Dr. Josef Wendel |
| 31. März 1952 | neue Kirchenbänke ganz aus Lärchenholz aufgestellt |
| Frühjahr 1953 | Erwerb der Muttergottesstatue aus ca. 1470 für 3.250 DM (von vielen edlen Stiftern aufgebracht) |
| 1955 | Das Fresko im Chorraum wird von dem Karlsruher Künstler Ludwig Josef Barth angebracht. |
| 8. Juli 1956 | Vier neue Glocken von Meister Hamm werden geweiht (die erste Glocke wurde umgegossen) |
| 1962 | Orgelbaumeister Scherpf erstellt die Orgel aus Teilen der Speyerer Domorgel und der St. Ludwigskirche in Frankenthal die frei wurden. |
Damit ist die Phase des Wiederaufbaus abgeschlossen.
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Zum Schluß noch einige Bilder:
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