Wegkreuze

Steinerne Zeugen des christlichen Engagements
einer südpfälzischen Familie

Verfasser: Dr. Helmut Streicher, Kapsweyer

Christliche Überzeugung bedarf zwar keiner äußerlichen Zeichen in der heutigen aufgeklärten Welt, doch sie geben uns Zeugnis einer Volksfrömmigkeit gerade auch aus vergangenen Tagen, in denen die Kirche noch herrschaftlicher war und die Gläubigen dessen ungeachtet so ihrem tiefen Glauben im täglichen Leben Erinnerung und Ausdruck schufen.

So sollen nachfolgend einige Zeugen aus Stein beschrieben werden, die heute noch zu sehen sind und alle von Angehörigen oder Verwandten einer Südpfälzer Familie errichtet wurden.

Beginnen wir mit einem Feldkreuz am westlichen Ortsausgang von Kapsweyer und seinen Inschriften


Ich bin die Auferstehung und das Leben: Wer an mich glaubt wird leben, wenn er auch gestorben ist.
Jo 11,25

So wie in Adam alle Sterben werden in Christo alle lebendig gemacht werden.
1 Kor 15,22

Tod, wo ist dein Sieg? Tod wo ist dein Stachel?
1 Kor 15,55

Errichtet durch Nicolaus Neufeld und seine Ehefrau Maria Anna Friedmann
im Jahre 1849

Nicolaus Neufeld (1812-1892) aus Kapsweyer heiratete am 8.7.1834 Maria Anna geb. Friedmann, deren Mutter Maria Eva geb. Frey eine Schwester des aus Schweighofen gebürtigen Geschichtsschreibers und Pfarrers Johann Michael Frey (1788-1854) war, dem Verfasser des 4-bändigen Standardwerkes "Versuch einer geographisch-historisch-statistischen Beschreibung des kön. bayr. Rheinkreises". An seinem wiederaufgebauten Geburtshaus in Schweighofen wurde zu seinem 200.sten Geburtstag eine Gedenktafel angebracht.

Auch die Schwester des Pfarrers Frey, Maria Eva und ihr Ehemann Jacob Friedmann errichteten ein Feldkreuz in Schweighofen am östlichen Ortseingang:

Es ist vollbracht.
Jo 19,30

Wenn ich von der Erde erhöhet bin werde ich alles an mich ziehen. Joh. 12,32

Weihe mitleidig ein Vaterunser u. Ave
der seligen Ruhe
unserer dahingeschiedenen Kinder
Jacob und Katharina.
Darum bitten Dich die Trauernden Eltern,
welche zu dem Zwecke dieses Kreuz aufgerichtet haben.

 

Errichtet durch Jacob Friedmann
und seine Ehefrau Maria Eva Frei
im Jahr des Heils 1848


Zwei Söhne der vorgenannten Eheleute Nicolaus Neufeld und Maria Anna geb. Friedmann heirateten 2 Töchter des Ölmüllers Rinck aus Münchweiler. Josef blieb im elterlichen Haus in Schweighofen als Ökonomierat.
Sein Bruder Michael kaufte am 15.7.1880 die Untermühle in Silz, nachdem das Armenkinderhaus der Schwestern vom Nardinihaus Pirmasens, den späteren Mallersdorfer Schwestern, nach dem Tode des Gründerpfarrers dortselbst aufgelöst wurde. Die Mühle wurde bis zum 2. Weltkrieg von Michaels Sohn Bernhard betrieben , der 1955 mit 75 Jahren kinderlos starb und "all sein Hab und Gut" einem sozial-caritativen Zweck zugeführt hat. Testamentsvollstrecker war sein Großneffe Pfarrer Andreas Neufeld, gebürtig aus Schweighofen, der Enkel seines Onkels Josef. Er übertrug den Besitz an das Institut der Armen Schulschwestern in Speyer mit der Auflage, ein Kinderheim zu errichten - das Kinderheim "Maria Regina " in Silz . Die Mühle wurde 1964 völlig abgerissen und wich dem "Jugenddorf im Dienst für gefährdete Jugend heutiger Zeit", wie Alois P. Leonhart in dem Artikel " Von der Klostermühle zum Jugendkinderdorf " Wasgau-Blick" März 1978 schrieb.

Zurück zu Ökonomierat Josef Neufeld: In Schweighofen finden wir seinen Sohn Rudolf, der 1900 Bertha Paul aus Steinfeld heiratet und zum Feldkreuz in Steinfeld an der Landstraße hinter dem ehemaligen Raifeissengebäude führt.

Am Kreuz der Erlöser gehangen ist.

Von jedem Dankbar sei Er gegrüßt!

Bewahre alle, vor Hunger und Not,

verleihe Gnade und seligen Tod!

 

Errichtet von der
Familie Paul&Neufeld 1906

Kreuz und Christus erneuert 1953 von
Otto Engelhard und Ehefrau Pauline,
geb. Neufeld


Ein weiteres Kreuz wurde vom Sohn der vorgenannten Familie, dem Bruder der Erneuerer, an der Straße von Steinfeld nach Bad Bergzabern an der Wegekreuzung auf der ersten Anhöhe errichtet. Es handelt sich hierbei um die Eltern des allzu früh verstorbenen Missionars Br. Ignatius Neufeld, der auf den Philippinen eine Krankenstation betrieb und mit einem im Schneeballsystem organisierten Hausbau mit Hilfe zur Selbsthilfe die Lebensbedingungen der Ärmeren zu verbessern suchte.

Gelobet sei Jesus Christus

 

Errichter von den Eheleuten
Karl Neufeld und Anna, geb. Moster
im Jahr 955


Verlassen wir nun die Namensträger und wechseln in die angeheiratete Verwandtschaft. Der Enkel Kornelius des am Beginn genannten Nicolaus Neufeld und Vater des Pfarrers Andreas Neufeld heiratete mit Katharina Kuntz die Enkelin von Ökonomierat Jakob Kuntz und Catharina, geb. Heil, aus Kapsweyer. In ihrem Besitz befand sich der Kreuzacker im Osten von Kapsweyer, der bis heute einer Kreuzigungsgruppe Platz bietet, die leider kriegsbedingt nicht mehr vollständig ist. Es fehlen die gestohlenen Figuren des Apostels Johannes und der Maria unter dem Kreuz.

Es ist vollbracht.

Wir verehren, O Herr, dein hl. Kreuz und loben und preisen
deine glorreiche Auferstehung;
denn durch dein hl. Kreuz
kam Freude und Heil
in die ganze Welt.

Antiphon vom Charfreitag

links:
Frau, siehe Dein Sohn
Jo 19,26
rechts:
Siehe Deine Mutter
Joh 19,28

Errichtet in Auftrage des verstorbenen Jacob Kuntz von seiner Witwe
Kath. geb. Heil
und seinen sechs Kindern
im Jahre des goldenen Bischofsjubiläums unseres glorreich regierenden hl. Vaters
Papst Leo XIII 1893
H.u.F. Semm, Maßweiler

Ihr Sohn Geistlicher Rat Andreas Kuntz (1856-1931) errichtet 1918 die heute sogenannte "Pfarrer Kuntz'sche Stiftung", welcher er das noch heute als "Schwesternhaus" bekannte ehemalige Brauereigebäude in Kapsweyer, Hauptstrasse Ecke Schafgasse gegenüber seinem Elternhaus erwarb um darin eine Schwesternstation zu errichten und für die Jugendpflege sowie alle sozialen und caritativen und Vereinszwecke der Pfarrei ein Heim zu schaffen.

Zwar steht dieses Steinerne Zeugnis seines sozial-caritativen Engagements noch und hat zum Vorteil der Gemeinde den Krieg wenig beschädigt überstanden, sodaß es nach dem 2. Weltkrieg zusätzlich Übergangskirche sein konnte, doch führten die Zeitentwicklungen und ihre Folgen Anfang der 60iger Jahre nach Weggang der Schwestern zum Verkauf des Gebäudes. Dank der rechtsfähigen Stiftung konnte aus dem Erlös der Grundstock des heutigen Kapsweyerer Kindergartens in kirchlicher Trägerschaft gelegt werden.


Schwesternhaus bei Stiftungsgründung 1918


Heutiger kath. Kindergarten in Kapsweyer

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