Der Weiße Sonntag
und seine Geschichte

Dr. Helmut Streicher, 5.2003

Im Brockhaus ist unter diesem Stichwort zu lesen: "Der Sonntag nach Ostern (Quasimodogeniti), so genannt, weil an ihm in der frühen Kirche die in der Osternacht Getauften zum letzten Mal ihre weiße Taufkleidung trugen; seit dem 18. ÿ Jahrhundert in der katholischen Kirche der bevorzugte Tag für die Erstkommunion (Kommunion)."

Hieraus ist schon zu entnehmen, dass die Tradition der heutigen Feierlichkeit noch gar nicht so alt ist. Der Kern reicht jedoch in Verbindung mit der damaligen Erwachsenentaufe bis in die Urgemeinden zurück. Damals gingen die an Ostern getauften Erwachsenen am folgenden Sonntag erstmals zur Kommunion. Folgende Jahrhunderte trennten die Erste Kommunion von der Taufe, die zunehmend als Taufe der Neugeborenen praktiziert wurde. Da das Neue Testament keine genauen Vorgaben macht, war die Erstkommunion über Jahrhunderte wenig vereinheitlicht. Überwiegend war der erste Empfang der heiligen Kommunion zwischen Priester und Gläubigen individuell vereinbart. Üblich war bis ins 18. Jahrhundert, dass der erste Kommuniongang im Jugendalter zuletzt nach Abschluß der Volksschule erfolgte. Pius X. gab vor dem 1. Weltkrieg die Frühkommuniondekrete heraus. So lesen wir 1931 im Nachruf auf Pfarrer Andreas Kuntz, den Stifter des Kapsweyerer Kindergartens, dass er „die Kinderwelt zum Tische des Herrn führte, manchem bedächtigeren Mitbruder zum Vorbild.“

In der Folgezeit wurden weiße Kleider für Mädchen und Anzüge für Jungen als Festtagskleidung üblich. Selbst in den Zeiten des zweiten Weltkrieges waren den Gläubigen weiße Kommunionkleider zur besonderen Ehrung des Tages der Erstkommunion ein Anliegen. Mancherorts waren auch Trachten u.ä. Festtagskleidung üblich. Erst in den letzten Jahren haben teilweise Gewänder die festliche Kleidung, die teilweise sehr aufwendig geworden war, abgelöst, als Ausdruck für Schlichtheit und Gleichheit vor Gott.

Doch nicht die äußerliche Kleidung ist entscheidend, sondern der innere Sinn des Festes. Es soll nicht einmaliger Kommuniongang sein, sondern zum sonntäglichen Kirchgang hinführen und die Kinder weiter in die Gläubige Gemeinschaft aufnehmen, der sie mit der Taufe angehören und deren „Vollmitglied“ sie mit der Firmung werden.