Kärren in der Karwoche

Dank an die Kärrbuuwe und Kärrmädels

Verfasser: Dr. Streicher, 5.2004

Danke, Ihr „Kärrbuuwe und – mädels“. Im Pilger 1938, Seite 244, berichtete Philipp Gimmel (hier sind die nachfolgenden Zitate entnommen) über die Karwoche in den Mundatdörfern. Die Tradition hat sich erhalten und ist in jedem Dorf ein wenig anders.

Mit dem Gloria an Gründonnerstag ertönt letztmals vor der Auferstehungsfeier in der Osternach die Orgel und das feierliche Geläut der Glocken:

„Was soll dieser Jubel inmitten der Karwoche d.h. Trauerwoche bedeuten? Die Kirche will damit ihre Freude über die Einsetzung des Altarsakramentes, die an diesem Tage stattfand – deswegen heißt der Gründonnerstag in der Kirchensprache auch feria in coena Domini – bekunden und zum Ausdruck bringen. Nach dem Gloria aber verstummt die Orgel, an die Stelle der hell klingenden Schellen (Glöckchen) der Messdiener treten die hölzernen Klappern. Sie können durch ihr Getöse an den Tumult erinnern, der während der Tage der Kreuzigung Christi in Jerusalem herrschte. Die Glocken aber fliegen über den Rhein … oder manche sogar nach Rom. Dort verweilen sie bis zur Osternacht. Nur schwer können sie sich von der ewigen Stadt und ihren Mitschwestern trennen. Sie müssen, da sie mit dem Abschiednehmen all zu lange gezaudert, ihren Flug beschleunigen, damit sie noch rechtzeitig ihre heimatlichen Kirchen erreichen, und – kaum haben sie sich in ihren Stühlen in den hohen Türmen niedergelassen, da stimmt auch schon der Priester am Altar das Gloria der Osternacht an, zu dem sie ihre ehernen Stimmen erschallen lassen müssen. Wer aber besorgte während der Abwesenheit der Glocken ihren heiligen Dienst? Wer rief statt ihrer die Gläubigen zum Gottesdienst?"

Das taten von jeher und tun immer noch bei uns in den Mundatdörfern die sogenannten "Kärrbuuwe“, zu denen heute selbstverständlich auch die Messdienerinnen gehören. In jedem Dorf ein wenig verändert, beginnen sie an Gründonnerstag ihren Dienst. Sie gehen statt der „Bäddlok“ (Betglocke) durch die Strassen und Gassen und

„...ermuntern … die Bewohner unserer Ortschaften sich zum Gebet und zur Arbeit zu erheben.“

Dazu singen sie „Ave Maria“ gemäß dem zu dieser Stunde früher häufiger gebeteten „Engel des Herrn“.

Bereits am Karfreitag und Karsamstag früh um 5 Uhr sind sie singend durch die Strassen von Kapsweyer gezogen um mit dem Singen der Lieder „Beim letzten Abendmahle“, „Herzliebster Jesu“, „O Haupt voll Blut und Wunden“, „O du hochheilig Kreuze“ und „Christi Mutter“ an das Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus zu erinnern. – Eine tolle Leistung unserer Messdiener /-innen jedes Jahr!

Auch zu den Gottesdiensten rufen sie „...mit ihren Kärren … - und jedermann hat seine Freude.“

Am Karsamstag ziehen sie von Haus zu Haus um zu sammelnmit dem Spruch: „Wir sind die Wächter vom heiligen Grab und bitten um eine Ostergab“.

Sie erhalten Eier und Geld. Ersteres wird verteilt und von letzterem wird die Messdienerkasse aufgefrischt.

Selbstverständlich verrichten die Messdiener zusätzlich an den Kartagen den Altardienst. Sinnvoller Erhalt von Traditionen und der Einsatz für den christlichen Glauben, verbunden mit vielfältigen Anregungen aus dem Geschehen der Karwoche für die Messdiener selbst und uns Alle verdient nicht nur ein Lob, sondern unser aller Anerkennung und Dank!