Gemeinde und Wehrkirche
St. Martin in Dörrenbach

 

325 Jahre Simultaneum der Wehrkirche Dörrenbach

Dass es eine Wehrkirche in Dörrenbach gibt mit Türmen,Wehranlage, befestigtem Friedhof, das wissen viele. Dass es sich bei dieser Kirche um eine der 29 Smultankirchen handelt, die es heute bei uns in Rheinland-Pfalz gibt, ist weniger bekannt.

Im 11. Jahrhundert durch die Benediktiner von Seltz als hölzernes Bethaus errichtet, wurde diese Ende des 13., Anfang des 14. Jahrhunderts von einer massiven Kirche aus Stein ersetzt. Aus dieser Zeit stammt der im Untergeschoß befindliche Chorraum. Im 15. Jahrhundert entstand die Sakristei und zu Beginn des 16. Jahrhunderts die Turmbauten und das Langhaus. Darauf weist die Jahreszahl 1512 am Glockenturm und 1506 im Treppentürmchen hin.

Immer wieder mussten sich die Dörrenbacher Bauern vor Überfällen und Angriffen schützen. So wurde die Kirche als Wehrkirche mit anschließendem, befestigten Friedhof errichtet und im Laufe der Zeit mehrmals zerstört und wieder aufgebaut.

Ursprünglich katholisch (dem Hl. Ulrich geweiht), im 16. Jahrhundert dann lutherisch, wurde in der Regierungszeit König Ludwig XIV , der als französischer König damals auch Souverän dieser Region war, im Jahre1684/85 ein Edikt erlassen. In Orten, in denen 2 Kirchen existierten, sollte die größere evangelisch bleiben, die andere den Katholiken gegeben werden. Wenn es aber in einem Ort nur eine Kirche gab, so sollte sie simultan genutzt werden.

In einer Zeit, in der beide Konfessionen in schier unlösbaren Konflikten liegen, ergibt sich für die Bewohner des Dorfes Dörrenbach ein ganz anderer Weg, der bis in unsere Zeit ein Zeichen des Friedens, der gegenseitigen Toleranz und des rücksichtsvollen Miteinanders wurde.

Obwohl man, zeitbedingt, darauf achtete, dass sich die konfessionellen Unterschiede nicht mischen, soll es im Jahr 1774 schon konfessionell gemischte Ehen gegeben haben.

Am 14. Juli 1717 wurde amtlich festgelegt, zu welchen Stunden der evangelische oder katholische Gottesdienst zu halten sei und dass keine der beiden Konfessionen der anderen bei der Verrichtung ihrer Gottesdienste hinderlich sein darf.

Das Zahlenverhältnis Evangelisch/Katholisch war zu dieser Zeit schon 2/3 zu 1/3. Die Dörrenbacher Bevölkerung hatte immer schon ein hartes, turbulentes Leben. Im letzten Jahrhundert waren zwei Weltkriege mit größten Zerstörungen des Dorfes und viele Gefallene und Vermisste zu verkraften. Es folgte der Wiederaufbau und langsam fand das Dorfleben wieder seinen Rhythmus. Man versuchte, im kirchlichen Leben miteinander auszukommen. Die Menschen spürten bald, dass man aufeinander angewiesen ist, man lebt im selben Ort , besucht die gleiche Kirche, glaubt an den selben Gott, den selben Jesus Christus und dass wir alle als getaufte Christen eine gemeinsame Basis in dem einen Hl. . Geist haben .Das wachsende Verständnis und Miteinander war nicht mehr aufzuhalten, nachdem durch das 2. Vatikanische Konzil der Förderung der Ökumene eine besondere Bedeutung zukam.

1967 - 1972 erfuhr die Wehrkirche eine umfassende Renovierung und die Protestanten bekamen einen Altar aus Holz im Kirchenschiff. Schon bei einer Renovierung 1953 – 1955 wurden alle heute noch sichtbaren Wandmalereien freigelegt und restauriert.

In den 1980iger Jahren hat sich das ökumenische Klima in Dörrenbach spürbar und sichtbar verbessert, nicht zuletzt durch das gute Zusammenwirken der jeweiligen Pfarrer beider Konfessionen, der Pfarrerinnen und Gemeindereferentin.

Seit der letzten Renovierung von März bis November 2006 feiern beide Konfessionen an einem Altar ihre Gottesdienste und das von beiden Kirchengremien ausgewählte Kreuz prägt den Kirchenraum seit 2008. Ferner nutzen beide Kirchengemeinden die eine Sakristei in Eintracht.

Immer mehr gemeinsame Veranstaltungen und Aktionen zeugen von dem guten, christlichen Geist in unserem Dorf, wie z.B.:

Ökumenische Schulgottesdienste, Gottesdienste beim Kindergartenfest, Weltgebetstage der Frauen, ökum. Passions- und Adventsandachten, Friedensgebete, ökum. Gottesdienste zu verschiedenen Anlässen wie Jubiläen, Kirchweih, ökum. Trauungen und ein ökum. Gottesdienst draußen bei der Kapelle auf dem Kolmerberg, gemeinsame Teilnahme beim Frauenfrühstück und nicht zuletzt besteht ein ökum. Singkreis, der bei Beerdigungen und verschiedenen Anlässen ehrenamtlich singt..

ProtestantInnen und KatholikInnen von Dörrenbach reichen einander die Hand als Schwestern und Brüder und Kinder des einen Gottes.

Immer mehr haben die Dörrenbacher begriffen, dass unsere altehrwürdige Wehrkirche ein Ort der gemeinsamen Begegnung ist, an dem wir Gottesdienst feiern, das Wort Gottes hören, beten und der Einladung zum Mahl des Herrn folgen dürfen. Es ist der Geist des einen Gottes, der wirkt und das fruchtbare Miteinander bis in den Alltag spürbar und sichtbar macht.

Aus diesem Grund und voller Dankbarkeit wollen wir dieses Jubiläum zusammen in einem ökumenischen Gottesdienst am Kirchweih – Sonntag, den 07. November 2010 um 10.30 Uhr in der Wehrkirche Dörrenbach feiern.

Zu unserer Feier laden wir sie herzlich ein und freuen uns, Sie zum ökumenischen Festgottesdienst begrüßen zu dürfen.

Wehrkirche Dörrenbach:

Der älteste Teil der Kirche, der Unterteil des Chorraumes, stammt aus der Zeit um 1300, die Teile darüber sind der Spätgotik 16. Jahrhundert) zu zuordnen. Der Turm wurde auch zu Verteidigungszwecken genutzt (Schlüsselloch-Scharten) Darüber ragt der achtseitige Spitzturm empor. Eine Rarität ist auch das Treppentürmchen mit dem sogen. Lichterker, dessen einfallendes Licht zum Gebet für die Toten ermahnen und erinnern sollte, ebenso als Trost für die Hinterbliebenen galt.

Neben dem großen Fenster aus der Frührenaissance kann man die Umrisszeichnung eines Brotmaßes erkennen. Die Sonnenuhr über der Eingangstür hat an Genauigkeit bis heute nichts verloren.

In das Innere der ehrwürdigen Kirche gelangt man durch das spitzbogige Portal aus dem 16. Jahrhundert. Über dem Chorraum sieht man das frühgotische Rippenkreuzgewölbe aus der Entstehungszeit der Kirche. Beeindruckend ist auch die Mauerstärke von ca. 2 m. Ausgeschmückt ist der Chorraum mit Gemälden aus dem 14./15. Jahrhundert. Ebenso zieren die Nordwand des Langhauses Wandmalereien. Leider ereilte im 16. Jahrhundert die lutherische Lehre auch Dörrenbach, was die Entfernung aller Gemälde und Bilder zur Folge hatte. 1579 wurden auch diese Gemälde überstrichen und gerieten in Vergessenheit. Bei der Renovierung 1953 wurden die Wandmalereien wieder entdeckt, aber leider unvollständig und unsachgemäß restauriert.

Im Glockenturm befindet sich unter den fünf dort hängenden Glocken eine der ältesten Glocken der Pfalz aus der Zeit um 1330 und hat alle Kriegs- und Notzeiten gut überstanden.. Die Inschrift lautet: O. Rex Glorie. XPE. Veni. Cum. Pace. Was übersetzt bedeutet: Oh König der Ehren, Christus komme mit Frieden.

Weitere Informationen mit zahlreichen Fotos von der Wehrkirche finden Sie über folgenden Link:
http://doerrenbach-pfalz.de/d%C3%B6rrenbach/wehrkirche/

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